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Jahresrückblick

Brief des Verwaltungsrats

Sehr geehrte Aktionärinnen, sehr geehrte Aktionäre

Das Geschäftsjahr 2024 war eines der schwierigsten unserer Unternehmensgeschichte, geprägt von einem nach wie vor angespannten Marktumfeld und schwierigen Entscheidungen – insbesondere der Schliessung unseres Werks in St-Prex. Vor allem das weiterhin zurückhaltende Konsumverhalten der Endverbraucher in unseren Kernmärkten wirkte sich negativ auf die Entwicklung der Verpackungsbranche generell und unser Marktsegment im Speziellen aus. Trotz dieser schwierigen Ausgangslage ist es uns gelungen unsere Kapazitäten, vor allem im zweiten Halbjahr voll zu nutzen. Das Gesamtergebnis 2024 liegt aufgrund der generell tieferen Verkaufspreise deutlich unter dem des Vorjahres und ist zudem geprägt von den Schliessungskosten für das Werk in St-Prex. Die Nettoerlöse aus Lieferungen und Leistungen erreichten 2024 CHF 842.1 Mio. und gingen damit um 6.3 Prozent zurück (währungsbereinigt: 4.2 Prozent). Das adjusted EBIT sank auf CHF 58.6 Mio. (Vorjahr: CHF 93.3 Mio.). Der Konzerngewinn betrug CHF 13.7 Mio. (Vorjahr: CHF 63.3 Mio.).

Mit diesem Ergebnis beweist die Vetropack-Gruppe ihre Resilienz in einem schwierigen Umfeld. Der Rückgang bei den Nettoerlösen aus Lieferungen und Leistungen spiegelt jedoch die nach wie vor angespannte Marktsituation wider: So ist das Ergebnis zum einen auf die tieferen Energiekosten zurückzuführen, welche einen direkten Einfluss auf die Verkaufspreise haben, und zum anderen auf den Preisdruck aufgrund von Überkapazitäten im Markt. Der Preisdruck spiegelt sich auch im adjusted EBIT der Gruppe wider, welcher mit CHF 58.6 Mio. gegenüber dem Vorjahr 37.2 Prozent tiefer ausfällt. Entsprechend sank die adjusted EBIT-Marge von 10.4 Prozent im Jahr 2023 auf 7.0 Prozent im Berichtsjahr.

Der Cash Flow im vergangenen Geschäftsjahr betrug CHF 103.6 Mio., was einen Rückgang zum Vorjahr von CHF 26.5 Mio. und damit 20.4 Prozent darstellt. Die Cash Flow-Marge ging gegenüber dem Vorjahr um 2.2 Prozent zurück und lag bei 12.3 Prozent. Der Reingewinn ist zudem durch die einmaligen Kosten im Zusammenhang mit der Werksschliessung in St-Prex in Höhe von CHF 24.3 Mio. negativ belastet und liegt mit CHF 13.7 Mio. deutlich unter dem Vorjahreswert von CHF 63.3 Mio.

Zentrale Ergebnisse und Kennzahlen für das Geschäftsjahr 2024 im Überblick:

 

 

2024

2023

+/–

Nettoerlöse

Mio. CHF

842.1

898.8

– 6.3%

Adjusted EBIT

Mio. CHF

58.6

93.3

– 37.2%

Adjusted EBIT-Marge

%

7.0

10.4

Cash Flow 1

Mio. CHF

103.6

130.1

– 20.4%

Cash Flow-Marge

%

12.3

14.5

Konzerngewinn

Mio. CHF

13.7

63.3

– 78.4%

Investitionen

Mio. CHF

90.3

238.0

– 62.1%

 

 

 

 

 

Bilanzsumme

Mio. CHF

1 237.7

1 263.8

– 2.1%

Eigenkapital

Mio. CHF

758.2

750.7

1.0%

Eigenkapitalanteil

%

61.3

59.4

 

 

 

 

 

Mitarbeitende

Headcount

3 585

3 772

– 5.0%

1 betrieblicher Geldfluss vor Veränderung Nettoumlaufvermögen

Waren die hohen Investitionskosten 2023 (CHF 238.0 Mio.) noch vor allem durch unser neues Werk in Boffalora sopra Ticino geprägt, erreichte die Investitionssumme im Geschäftsjahr 2024 wieder einen unserer Industrie entsprechenden Wert von CHF 90.3 Mio. Durch den konstanten Fokus auf das Betriebskapital, erreichte die Gruppe einen Mittelzufluss nach Investitionen von CHF 46.4 Mio. (2023: CHF –164.1 Mio.). Diese Mittel wurden zur Reduktion der Verschuldung um EUR 50 Mio. eingesetzt. Dies führte zu einem Rückgang der Bilanzsumme und einer um 1.9 Prozent höheren Eigenkapitalquote von 61.3 Prozent. Dies zeigt, dass die Vetropack-Gruppe auch in schwierigen Zeiten Kapital generiert und solide für die Zukunft aufgestellt ist. Die Zahl der Mitarbeitenden ging vor allem aufgrund der Werkschliessung in St-Prex leicht zurück. Ausserdem wurden, wie angekündigt, nur sehr zurückhaltend neue Stellen geschaffen oder frei gewordene Stellen wieder besetzt.

Schliessung des Werks in St-Prex

Die für uns schwierigste Entscheidung 2024 war die Schliessung unseres Produktionsstandorts im Schweizer St-Prex. Unabhängig von der aktuell angespannten Marktsituation zeigten ein fast zweimonatiges Konsultationsverfahren sowie intensive Prüfungen: Die Zukunftsaussichten des Werks blieben – selbst im Falle millionenschwerer Investitionen – im Hinblick auf Wirtschaftlichkeit und Wettbewerbsfähigkeit negativ. Ein rentabler Betrieb wäre auf Dauer nicht möglich gewesen. Die Schliessung der Produktion war deshalb unausweichlich.

In ihrer Folge musste leider auch ein Grossteil der Arbeitsplätze am Standort abgebaut werden. Für die betroffenen Mitarbeitenden wurde ein Sozialplan aufgestellt, der unter anderem Abgangsentschädigungen, Prämien und Leistungen bei möglichen Frühpensionierungen umfasst. Zusätzlich haben wir ein eigenes Job Center eingerichtet, um Mitarbeitende bei der Suche nach neuen Stellen zu unterstützen.

So einschneidend die Schliessung dieses letzten Schweizer Werks für uns als Gruppe war, bedeutet sie jedoch keinesfalls einen Rückzug aus unserem Heimatmarkt: Mit unseren Schweizer Kunden verbinden uns oft jahrzehntelange, gute Beziehungen, die wir auch künftig weiter pflegen. Bülach bleibt unser Unternehmenshauptsitz, und insbesondere im Bereich der Glassammlung geht unser Engagement unvermindert weiter.

Entwicklung an den Standorten

Erfreulich war im vergangenen Geschäftsjahr aus Gruppenperspektive die Entwicklung der Auslastung in unseren Werken. An vielen Standorten konnten 2024 trotz unseres strikten Kostenmanagements zudem wichtige Projekte abgeschlossen werden. Dabei handelte es sich ausschliesslich um unverzichtbare Investitionen, die zugleich die Voraussetzung für Innovation und die Weiterentwicklung der Gruppe bilden.

Bereits im Januar wurden so im tschechischen Werk in Kyjov die erneuerte Schmelzwanne für die Produktion von farbigem Glas sowie zwei hochmoderne NIS-Produktionsmaschinen mit Servoantrieb und eine AIS-Maschine in Betrieb genommen. Im September folgte ein weiterer wichtiger Schritt: Im kroatischen Hum na Sutli wurden eine von drei Schmelzwannen sowie die dazugehörigen Glasblasmaschinen modernisiert und zusammen mit einer weiteren NIS-Maschine im Dezember in Betrieb genommen. Auch unser neues italienisches Werk in Boffalora sopra Ticino hat nach Anlaufschwierigkeiten im Laufe des Jahres Fahrt aufgenommen. Im September wurde dort das neue vollautomatisierte Warenlager eröffnet.

Preisgekrönte Innovation

Ein weiteres Kapitel konnten wir 2024 zudem der Erfolgsgeschichte unserer Leichtglasflaschen aus thermisch gehärtetem Glas hinzufügen. Auf der BrauBeviale 2024 wurden sie einem grösseren Fachpublikum präsentiert und sorgten zudem über die Branche hinaus für Aufsehen: Wir wurden zum zweiten Mal für den Swiss Packaging Award nominiert und zudem mit dem Österreichischen Staatspreis Smart Packaging 2024 ausgezeichnet.

Die von der Vetropack-Gruppe entwickelten thermisch gehärteten Leichtglasflaschen gehören zu den wichtigsten Produktinnovationen in unserem Markt in den vergangenen Jahrzehnten. Sie sind Ausdruck unseres Selbstverständnisses und unserer Strategie 2030+: Drive innovation (Innovation vorantreiben) und Clearly sustainable (selbstverständlich nachhaltig) als zentrale Pfeiler unserer Strategie.

In unserem Innovationszentrum im österreichischen Pöchlarn wird in den kommenden Monaten die erste Anlage für die industrielle Produktion von Leichtglasflaschen aus thermisch gehärtetem Glas in Betrieb genommen. Dies ist ein bedeutender Schritt, weil wir so in Zukunft mit unserem thermisch gehärteten Leichtglas noch besser neue Märkte und Kunden erschliessen können.

Wichtige Meilensteine im Bereich Nachhaltigkeit erreicht

Trotz des strengen Sparkurses haben wir auch 2024 unsere Aktivitäten im Bereich Nachhaltigkeit weiter standortübergreifend vorangetrieben. Im Fokus standen dabei die Reduktion unseres CO2-Fussabdrucks und damit der Einsatz erneuerbarer Energien in unserer Produktion und die Forcierung unserer Recyclingaktivitäten.

Einen besonderen Meilenstein haben wir im August erreicht: Die Science Based Targets initiative (SBTi) hat die von Vetropack definierten, wissenschaftlich basierten Ziele zur Emissionsreduktion überprüft und validiert. Damit bestätigt das globale Gremium, dass die im April dieses Jahres eingereichten Ziele im Einklang mit den strengen wissenschaftlichen Kriterien der SBTi stehen. Die Pläne von Vetropack zur Senkung der Scope 1- und Scope 2-Emissionenwurden als konform mit dem Ziel eingestuft, die Erderwärmung auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen.

Im Bereich der erneuerbaren Energien haben wir 2024 zudem Photovoltaik-Anlagen am österreichischen Standort Kremsmünster und in Kroatien installiert und in Betrieb genommen. Ebenfalls in Kroatien haben wir 2024 zusammen mit dem Europäischen Behälterglasverband (FEVE) sowie weiteren Partnern ein Pilotprojekt zu Digital Recycling gestartet. Ziel ist es insbesondere, im kroatischen Glasrecyclingsystem eine höhere Sammel- und Recyclingquote zu erreichen.

Ausblick auf das Geschäftsjahr 2025

Derzeit nehmen wir erste Anzeichen für eine Entspannung, wenngleich keine Normalisierung der Marktlage wahr. Wir bewegen uns 2025 weiterhin in einer Welt mit enormem Krisenpotenzial. Die vergangenen Jahre haben deutlich gezeigt, dass unsere Märkte oft sensibel auf kleine Veränderungen reagieren. Besondere Unwägbarkeiten bleiben so der weitere Fortgang des Kriegs in der Ukraine, aber auch mögliche Auswirkungen der Wirtschaftspolitik der neuen US-Regierung auf die globalen Märkte.

In diesem anspruchsvollen Umfeld ist es wichtiger denn je, unseren Kurs zu halten. Dies bedeutet konkret: schnell und zeitnah auf Veränderungen zu reagieren, eine umsichtige Investitions- und Personalpolitik zu betreiben sowie ein proaktives Management der Produktionskapazitäten sicherzustellen. Unser Ziel ist es, alle Voraussetzungen zu schaffen, damit wir bei einer Verbesserung der Marktsituation und steigender Nachfrage schnell handeln und unsere Produktion hochfahren können.

Im Verlauf von 2025 rechnen wir mit einer vorsichtigen Erholung der Märkte und unter dem Strich einem entsprechend leicht besseren Betriebsergebnis als 2024. Da die aufgrund der Werksschliessung in St-Prex entstandenen Einmalkosten 2025 wegfallen werden, rechnen wir mit einem deutlich höheren Reingewinn. Die volatilen Energiekosten bleiben jedoch ein Unsicherheitsfaktor, dessen Auswirkung auf das Ergebnis der Gruppe noch nicht absehbar ist.

Zum Ende des Jahres 2025 wird unser CEO Johann Reiter in den Ruhestand gehen. Die Nachfolgeplanung läuft und der Verwaltungsrat wird zu gegebener Zeit informieren.

Generalversammlung der Vetropack Holding AG

Die 56. ordentliche Generalversammlung der Vetropack Holding AG findet am Mittwoch, 23. April 2025 um 15:30 Uhr in der Vetropack Hall, Im Guss, Schaffhauserstrasse 106, 8180 Bülach statt.

Der Verwaltungsrat stellt der Generalversammlung den Antrag, eine Dividende von brutto CHF 1.00 (2023: CHF 1.00) pro Namenaktie A und von brutto CHF 0.20 (2023: CHF 0.20) pro Namenaktie B auszuschütten.

Herzlichen Dank!

Der Verwaltungsrat dankt allen Mitarbeitenden für die gute Zusammenarbeit und den grossen Einsatz im Geschäftsjahr 2024. Unseren Kunden, Lieferanten und Geschäftspartnern sowie Aktionären danken wir für das Vertrauen und die Unterstützung.

Bülach, 17. März 2025

Claude R. Cornaz

Präsident des Verwaltungsrats

Johann Reiter

CEO