Erfolgs­grundlagen

Chancen und Herausforderungen in Zeiten einer globalen Krise

Zunehmende Dynamik in der Glasindustrie

Der Wandel in der Glasindustrie verläuft traditionell eher gemächlich, denn die Investitionszyklen sind lang und die Wertschöpfungskette zeichnet sich durch eingespielte Prozesse sowie mehrjährige Partnerschaften mit Kunden und Lieferanten aus. Seit einigen Jahren nimmt die Dynamik jedoch vor allem aufgrund der sich schneller ändernden Rahmenbedingungen und der Digitalisierung zu.

Krise ausserhalb jeglicher Szenarien

Anfang 2020 bildete der Ausbruch der COVID-19-Pandemie den Ausgangspunkt einer umfassenden globalen Krise. Auch die Glasverpackungsindustrie, die zuvor über Jahre von einem förderlichen Marktumfeld profitieren konnte, wurde von der Krise nicht verschont. Ab dem zweiten Quartal 2020 hinterliess der Nachfragerückgang aufgrund der starken Einschränkungen in der Gastronomie und im Tourismus deutliche Spuren bei allen Branchenteilnehmern. Teilweise ausgeglichen wurden diese negativen Auswirkungen durch eine Verschiebung des Konsums in den häuslichen Bereich. Dank der grossen Flexibilität in der Produktion und der Breite des Produktangebots vermochte Vetropack von dieser Verschiebung zu profitieren. Entsprechend gut konnte die Vetropack-Gruppe das erste Pandemiejahr verdauen.

CEO-Interview

Transition in eine neue Normalität

In vielen europäischen Ländern wurden ab dem Frühling 2021 die Massnahmen zur Bekämpfung der Pandemie gelockert. Ab Herbst trat vielenorts in der Gastronomie und im Tourismus die Zertifikatspflicht an die Stelle von Limitierungen und Lockdown. Trotz der teilweise gegen Ende des Jahres temporär wieder verhängten Schliessungen konnten sich diese Branchen im Berichtsjahr zum Teil erholen, was in der Folge zu einer steigenden Nachfrage nach Verpackungsglas führte.

Die anziehende Nachfrage forderte die Lieferkette von Vetropack zeitweise stark – insbesondere aufgrund der Knappheit gewisser Rohstoffe und Waren in der Beschaffung sowie den Unterbrechungen und Engpässen bei den globalen Lieferketten. Von evidenter Bedeutung sind in solchen Zeiten vielfältige und gute Verbindungen zu Lieferanten ebenso wie Agilität in den eigenen Prozessen.

Vetropack war in der Lage, diese rasch steigende Nachfrage zeitnah zu befriedigen, auch da die Pandemie und die damit verbundenen Massnahmen zu keinem Zeitpunkt zum Stillstand eines Werkes geführt hatten. Geplante Investitionen wurden getätigt und Projekte – teilweise adaptiert an die neuen Rahmenbedingungen – umgesetzt.

FinanzberichtBericht des VerwaltungsratsCEO-Interview

Flexibilität und individuelle Gestaltung bleiben gefragt

Auf Kundenseite beobachtet Vetropack schon seit mehreren Jahren einen Trend in Richtung Flexibilisierung und Individualisierung: Kunden möchten sich vermehrt über ihre individuell gestalteten Verpackungen differenzieren. Dies führt oftmals zu kleinen Losgrössen und erfordert zusätzlich hohe Flexibilität in der Produktion. Die COVID-19-Pandemie hat den Flexibilisierungstrend weiter verstärkt, denn Wertschöpfungsketten und Warenströme (Rohmaterial und Fertigwaren) mussten kurzfristig angepasst oder neu definiert werden. Dadurch ergab sich für Vetropack die Chance, eingefahrene Prozesse und Gewohnheiten zu hinterfragen und an einigen Punkten entsprechend zu überarbeiten.

Um künftig noch besser und schneller auf die Bedürfnisse der Kunden eingehen zu können, strukturierte Vetropack im Berichtsjahr den Bereich Technologie und Produktion neu auf eine höhere Innovationsfähigkeit.

Performance Review: Innovation und geistiges EigentumPerformance Review: Digitalisierung und Automatisierung

Regulatorischer Druck in Richtung Kreislaufwirtschaft

Obwohl die Sammelrate von Glasverpackungen in der EU insgesamt bereits bei über 75 Prozent liegt, hat die EU im Rahmen der Überarbeitung der Verpackungsrichtlinie beschlossen, die Recycling-Quoten weiter zu erhöhen. So müssen bis 2025 in jedem Land 70 Prozent und bis 2030 mindestens 75 Prozent der Glasverpackungen rezykliert werden. Diese Zielwerte betreffen nicht mehr nur die Sammelraten, sondern die tatsächliche Wiederverwertung der Glasverpackungsabfälle.

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Quelle: Federation Européenne du Verre d’Emballage (Feve)

Darüber hinaus gibt es freiwillige Brancheninitiativen wie beispielsweise «Close the Glass Loop». Die Initiative strebt bis 2030 eine EU-weite Sammelrate von 90 Prozent an. Sie wird von verschiedenen Branchenverbänden unterstützt, zum Beispiel der Fédération Européenne du Verre d’Emballage (Feve). Auch Vetropack ist Mitglied in diesem Verband. Die Entwicklungen in der EU und die Pläne von Vetropack, den Scherbenanteil in der Produktion zu erhöhen, gehen demnach Hand in Hand. Erst ein grösseres Angebot an hochwertigem Scherbenmaterial ermöglicht die Erhöhung des Altglasanteils in der Produktion und damit auch eine wachsende Nachhaltigkeit.

Vor diesem Hintergrund und im Kontext der Strategie 2030 hat sich Vetropack das Ziel gesetzt, bis 2030 in der Produktion gruppenweit einen Scherbenanteil von mindestens 70 Prozent zu erreichen.

Performance Review: Rohstoffeinsatz optimierenStrategie 2030

Da der Trend auch immer stärker in Richtung Mehrwegglas geht, arbeitet Vetropack gleichzeitig an neuen Methoden, um die Rückverfolgbarkeit von Glasbehältern zu erhöhen. So begann Vetropack, im Innovationszentrum in Österreich ein Verfahren einzusetzen, das QR-Codes auf jedem einzelnen Glasbehälter platziert. Diese könnten zukünftig entscheidend sein, um die Rückwärtslogistik zu organisieren oder nachzuvollziehen, wie oft eine Flasche im Umlauf war.

Performance Review: Innovationsstrategie und -portfolio